Wenn Dein Freund Dich in den Arm nimmt, tröstet und das Knie massiert - Marathon von Birgit Maschlak

Der Marathon in Füssen. Birgit Maschlak (jK Running) beschreibt ihren Bestzeit-Marathon in einer Mail an uns. Wer von Platzregen, Knieschmerz, dem Freund, der sie auf eine Bank setzt und ihr Knie streichelt, lesen will, und vom Hammermann, der nicht kommt und von Freudentränen - der liest einfach mal. Und klar: Birgit läuft den nächsten Marathon auch mit uns. Danke Dir! Das ist unser natürliches Doping!

Lieber Jens,

wie angekündigt hier noch mal ein ausführlicher Bericht vom vergangenen Sonntag. Kaum zu glauben, dass es erst ein paar Tage her ist, dass ich den besten Marathon meines Lebens gelaufen bin!

Am 22.07. war es, wie angekündigt, morgens kühl und regnerisch.
Eigentlich perfektes Marathonwetter, wenn der Regen nicht ab und an in einen heftigeren Platzregen übergegangen wäre. Egal - der Startschuss fiel und es ging los - gut 500 Marathonläufer setzten sich in Bewegung. Die ersten Kilometer gingen durch Füssen und dann auf einer langen Geraden in Richtung des Hopfensees. Die sonst so malerische Kulisse war leider wolkenverhangen und so konnte man die "Riviera des Allgäu" nur erahnen. Der Rundweg um den See, mal durch Wald, mal an Feldern und entlang der Seepromenade des Ortes Hopfen am See war bis auf die teilweise riesigen Pfützen auf dem Boden, die man anfangs noch versucht hat, zu umlaufen, sehr abwechslungsreich. Und so passierte man auf dem Rückweg nach Füssen bereits die 18 km Markierung.

Der Regen hatte inzwischen aufgehört, allerdings hingen die Wolken immer noch ziemlich tief, so dass man die Berge selbst in der Nähe nur erahnen konnte. Am Ortseingang von Füssen ging es dann am Festspielhaus vorbei zum Forggensee. Wieder ein wunderschöner Weg entlang des Sees mit nur wenigen, minimalen Höhenunterschieden. Bei km 20 hatte ich plötzlich ein tierisches Stechen im rechten Knie, was mich an meinen uralten Knorpelschaden erinnerte, der vor gefühlten 20 Jahren mal behandelt wurde. Ich musste stehen bleiben, weil ich vor Schmerzen kaum noch auftreten konnte. Mir stiegen die Tränen in die Augen: Sollte das ganze perfekt gelaufene Training umsonst gewesen sein? Mein Freund, der mich mit dem MTB begleitete, nahm mich in den Arm, führte mich zu einer Bank und setzte mich hin. Ich sah meine Zeit, die bis dahin knapp unter einem 6-er Schnitt gelegen hatte, dahin schwinden. Er begann mein Knie zu massieren und redete mir gut zu. Ich versuchte wieder loszulaufen - erst vorsichtig gehend und dann langsam laufend - und es ging! Glücklich trabte ich weiter, immer darauf bedacht, ja nicht falsch aufzutreten.
Ich vermute, dass die unebenen Waldwege und das Umlaufen der unzähligen Pfützen dazu geführt hatten, dass das Knie einfach zu viel und schief belastet war. Die Halbmarathonmarke mitten im Wald überquerte ich mit einer Zeit von 2:10. Bei km 25 wieder das gleiche. Wieder Schmerzen, wieder hinsetzen, kurze Massage und irgendwie ging es auch jetzt wieder weiter. Die beiden längeren Pausen hatten meinen Schnitt leider auf rund 6:15 sinken lassen, wo ich aber ja immer noch super in der angepeilten Zeit lag.

Also vorsichtig weiter - mittlerweile konnte man auch schon langsam blauen Himmel hinter den Wolken erahnen. Bei km 30 gab es dann den sensationellen Ausblick auf die zwei Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau sowie den Tegelberg. Ein erhebendes Glücksgefühl! Nix mit Hammermann! Weiter ging die Strecke an einem längeren, etwas eintönigen Waldweg entlang und machte dann wieder einen Rechtsknick in Richtung Schwangau. Und plötzlich ging es sogar leicht bergab - wie leicht das plötzlich ging und das noch, obwohl schon bei km 33! Trotzdem habe ich versucht, nicht zu stark aufzutreten, damit die Knieschmerzen nicht wiederkehren.
Am Ortsrand von Schwangau ging der Weg in Richtung des wunderschön im Wald liegenden Schwansees. Hier spielte am Ufer ein Alphorntrio und der Schall der Alphörner war irgendwie überall - Wahnsinn! Und ruckzuck war ich bei km 35, 36, 37 - wo ist denn der Hammermann? Haben sie den in einem der Seen ertränkt? Egal - nur noch 5 km - ein Klacks! So langsam fing ich dann doch das Rechnen an - würde ich meine angepeilte Traumzeit 4:30 noch schaffen? Eigentlich wurscht; neue Bestzeit würde es auf jeden Fall werden, wenn nichts mehr schiefgeht. Raus ging nun der Weg komplett asphaltiert aus dem Wald und entlang der Straße - da war plötzlich schon ein Ortsschild: Füssen 3 km. YES!!!! Mittlerweile war die Sonne komplett draußen, so dass nun auch sogar die Klamotten zu trocknen begannen. Über die Lechbrücke ging es in einen kleinen Park und schon war das 40-er Schild da, dann noch ein Stück idyllisch am Lech entlang und dann kam die Wand. Kurz vor km 42 ging es noch mal steil bergauf in Richtung Burg. Aber bis zum Scheitelpunkt waren es vielleicht insgesamt 300 m (gefühlt allerdings mindestens 500!), wo ich auch noch mal kurz gegangen bin, weil sich nun doch die Waden leicht zusammengekrampft hatten. Aber dann war das Tor erreicht und es ging nur noch bergab - allerdings war das mit dem Zielsprint nicht so einfach, wenn die Waden nicht mehr wollen. Also etwas zurückhaltend, aber trotzdem strahlend ins Ziel einlaufen. Und dann nur noch Glück, Freude und Triumph! 18 Minuten schneller als die bisherige Bestzeit. Ein Traum!!!!

Übrigens auch am Tag danach keinerlei Beschwerden, keine schweren Beine, kein Muskelkater - lediglich die Füße waren etwas platt gelaufen und haben ein paar Tage etwas geschwächelt. Bin sogar schon am Montag wieder die 7 km um den Hopfensee spazieren gegangen. Den Spruch von meinem Freund "Dann hättest du auch schneller laufen können" habe ich mal geflissentlich überhört. Naja, irgendwie hat er natürlich recht, also Luft ist offensichtlich noch....

Jens, dir und deinem Team ganz, ganz herzlichen Dank für die Betreuung, für die Motivation, die wirklich tollen und abwechslungsreichen Pläne, (die ich natürlich auch manchmal verflucht habe) und die "gemeinsame" Zeit. Ich werde definitiv wieder auf dich zurückgreifen, wenn der nächste Marathon ansteht. Je nachdem wie die nächsten Trainingsläufe (Sonntag will ich das erste Mal wieder los) so ausfallen, vielleicht sogar noch den Frankfurt Marathon dieses Jahr. ;-)

Viele liebe Grüße und bis bald,
Birgit

bild

28.07.2012

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