Die Legende Rennsteig - von Jo Meder.

Been there, done that. Und leider nicht einmal mehr ein Shirt abbekommen. Ausverkauft!

Rennsteig StartbereichOhne zu wissen, was da wirklich zu erwarten ist, im letzten Herbst für die Halbmarathon-Strecke angemeldet. Am 12. Mai kam es also zum praktischenTeil und der Erkenntnis: Die Strecke ist mit nichts zu vergleichen, was ich bisher erlebt habe. Befestigte Wege oder gar Asphalt? Gefühlte 10% der Strecke. Steigungen und Gefälle wechseln sich ab, ebene Zwischenstücke gibt es kaum. Jedenfalls werde ich mich in Zukunft bestimmt nicht mehr über die letzte zu überquerende Brücke beim Berliner Halbmarathon oder über die Karl-Marx-Straße beim Potsdamer Drittelmarathon beklagen. Diese Strecken sind im Vergleich topfeben.



Los geht's!Der Start beim Rennsteig-HM ist früh, 7:30, in der Nacht gab es einen Temperatursturz. Statt der schwülen 25 Grad vom Vortag nur noch knapp 5 Grad, dicke Wolken am Himmel, die Sonne läßt sich nicht blicken und wir stehen zitternd bereit. Seit 7 Uhr sind die Kleiderbeutel mit Lastern unterwegs zum Ziel, wir müssen noch ein bißchen warten, während weiter vorn die Schnellen und die Veteranen starten, denn beim Rennsteiglauf zählt für die Einordnung in die Startblocks nur die Vorjahreszeit beim Rennsteiglauf. Wer zum ersten Mal dabei ist, muß sich eben hinten anstellen.

Und gleich von Anfang an macht die Strecke klar, daß sie es ernst meint. Auf ein kurzes, steiles Bergabstück folgt direkt ein knackiger Anstieg, es geht um eine Kurve und ab in den Wald.

Die Waldwege sind ausgewaschen, loser Schotter in Geröllgröße, tiefe Rinnen, Wurzeln. Leichtere Teilstücke gibt es auch, Waldboden mit Pfützen vom Gewitter in der Nacht. Noch bis Kilometer 10 laufen wir dicht an dicht, höchste Konzentration ist gefragt, denn Hindernisse sieht man erst im letzten Moment.

Wenn sich dann doch einmal eines der seltenen griffigeren Stückchen zeigt, eine Straße zu überqueren ist oder ein Waldparkplatz, macht es an Anfang noch richtig Spaß, ein paar Meter Tempo zu machen. Das wird ich später legen.

Beim Rennsteig-HM herrscht eine ganz besondere Stimmung. Was vor allem auffällt sind die Solidarität und die Hilfsbereitschaft im Läuferfeld. Egomane Durchzocker werden gelassen durchgereicht, wer Probleme hat, wird auch von Wildfremden unterstützt. Wir sind hier mitten im Wald unterwegs, häufig ist keine Straße in der Nähe, die für ein Rettungsfahrzeug taugen würde.

Und dann die zwei Verpflegungspunkte für den Halbmarathon. Die Helfer rufen die ganze Zeit lauthals, was sie anbieten. Hier "Tee!", da "Wasser!", drüben "Iso!", und "Bananen! ... Mädels, Bananen sind gleich alle, macht hin!" damit jeder gezielt seine Wunschration greifen kann. Hinreißend!

Der RennsteigBeim Berliner HM kämpfe ich mich von Kilometer zu Kilometer, beim Rennsteig ist das eine völlig andere Geschichte: nochmal bergauf, nochmal bergab, ach herrjeh, schon wieder ein Kilometer vorbei? Ich kämpfe nicht mit der Entfernung, sondern mit dem Terrain. Die Kilometer vergehen dabei fast als Nebensache.

Und obwohl die Kondition für das gemäßigte Tempo gut reicht, fangen die Beine irgendwann an zu protestieren: dauernd bergab ist genau so anstrengend wie bergauf, nur anders.

Jo MederNebenbei registriere ich, wie bei einer Straßenüberquerung die Absperrpolizistin eine blaulichtschwenkende, anscheinend superwichtige schwarze Limousinenkolonne daran hindert, quer durch das Läuferfeld zu fahren. Chapeau. Ob das wohl die Entourage des Bundesinnenministers war, der ebenfalls den HM mitgelaufen ist? Die Autokolonne muß jedenfalls warten.

Wenig später dann der Einlauf in Schmiedefeld. Schon direkt am Ortsrand werden wir Läufer von privat organisierten Lautsprechern mit krachigen AC/DC-Rhythmen begrüßt. Und so geht's weiter durch den ganzen Ort: Überall ein herzliches Willkommen, auch wenn die Einzelheiten im Adrenalin der Schlußbeschleunigung untergehen.

Puh. Geschafft. Nächstes Jahr wieder? Ziemlich sicher.

P.S.: Ja, die Anmeldung ist raus!

bild

14.05.2012

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