jK RUNNER Carsten Rothe: ... und bei Kilometer 3 grinst mir ein Affe ins Gesicht

Laufgebiet ThailandNun ist bei uns Halbzeit eines –bisher- sehr schönen Urlaubs in Thailand. Morgen geht es von Koh Samui auf die Nachbarinsel Koh Phangan. Alles gut und schön, doch quält den Läufer natürlich immer die Frage, ob denn das Training nicht zu kurz kommt. Vollmundig hatte ich vor der Abreise bei meinem Trainer getönt, ich werde mal in meinem Klemmbrett ALLE Wochentage freischalten und dann sehen, was so geht…

Das war nicht mutig, das war einfach nur dumm. Wie läuft es sich denn nun so auf der lieblichen Insel im Golf von Thailand? Erste Regel ist, die richtige Tageszeit zu finden. Da mein Körper in den Morgenstunden grundsätzlich nicht mit körperlicher Anstrengung konfrontiert werden möchte, bleibt also der Spätnachmittag. Die Kunst liegt nun darin, das wertvolle Zeitfenster zu finden, in dem man nicht mehr der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, wo es aber auch noch nicht so duster ist, dass man zwangsläufig überfahren wird. Und das ist dann das nächste Problem. Da sich die hiesige Verkehrsinfrastruktur fast nur auf eine Ringstraße um die Insel beschränkt, sind die möglichen Trainingsrouten eher begrenzt. Eben rechts oder links vom Hotel lang. Die wirkliche beeindruckende Aussicht vom Hotel aus ergibt sich durch die Lage hoch über einem Kliff. Das bedeutet, dass zwangsläufig ein beträchtlicher Höhenunterschied zu bewältigen ist.

Ich raffe mich also auf. Schon der Schritt aus der Zimmertür erinnert an die heimischen Saunabesuche. Gefühlte 38° Grad und 200% Luftfeuchte, mindestens. Wenigstens das Aufwärmen lässt sich so auf das Zubinden der Schuhe beschränken. Die Hotelangestellten schauen mich irritiert aber höflich an. Ich verlasse die Geborgenheit der Hotelmauern und trete ein ins wahre Leben. Zunächst geht es (s.o.) bergab. Nach 500 Metern kann mein Schweißband bereits nicht mehr seine Funktion erfüllen. Mir ist heiß. Ich habe Durst. Warum nur haben wir kein Hotel am Strand genommen? Und warum werden eigentlich alle Thais Kickboxer und niemand Läufer? Ich beginne zu verstehen...
Thailand
Bei KM3 schaut mich ein dressierter Affe an. Ich glaube, er grinst. Auf der Straße tobt das Leben. Ich komme an einem Markt vorbei. Es riecht komisch. Ich kann gerade noch einer motorisierten Suppenküche ausweichen. Überhaupt- die Motorräder und –roller. Von früheren Urlauben in Asien kenne ich das beklemmende Gefühl, mit einer unachtsamen Lenkbewegung des Mietwagens eine komplette Großfamilie auf einem Roller auslöschen zu können. Nun aber stehe ich als Läufer am Ende der Nahrungskette. Immer wieder zwingen mich überladene Mensch-, Tier- und Materialtransporte zu Ausweichmanöver in den Straßengraben. Neu ist, dass die Thais nun auch noch beim Mofafahren telefonieren. Hunde begleiten mich, lose Stromkabel knistern lustig über meinem Kopf. Inzwischen bin ich auf dem Rückweg und nur noch die letzte lange Steigung trennt mich vom rettenden Resort. Neben mir müht sich ein alter LKW aus indischer Produktion. Er schaltet in den ersten Gang und ich befinde mich in einer Wolke aus Ruß und Flugrost. Wie lange kann man bei einem Puls von 170 die Luft anhalten? Endlich bin ich in Sicherheit. Jetzt schnell in die Kühle des Zimmers und die drei Liter Flüssigkeitsverlust umgehend mit Singha-Bier ausgleichen! Und was bringt nun das Training? Kondition? Nicht bei läppischen 8 Kilometern. Tempohärte? Wohl kaum bei meinem Km-Schnitt. Was dann? Etwas, was ich bei jedem Wettkampf unmittelbar anwenden kann: Reaktionsvermögen und –der unbändige Wille zu überleben! ;-)

Euer Carsten

bild

15.05.2010

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