Tobias Krüger: Ohne Pathos

Vor 2 ½ Jahren habt ihr mich in Eurem Fragebogen gefragt, was mein absoluter Lauftraum wäre. Spontane Antwort meinerseits : die 1:30h im Halbmarathon zu unterbieten. Das war schon eine ehrgeizige Aussage, denn meine Bestzeit stand damals bei 1:35.
Aber wozu gibt es Ziele und Träume im Leben ? Seit letztem Sonntag befindet sich nun eine 1:28:56 hinter meinem Namen in der Ergebnisliste vom Berliner HM. Viele Gedanken, Sprüche und Floskeln sind mir in den letzten beiden Tagen durch den Kopf gegangen, aber Pathos mag ich nicht, darum erwähne ich auch keine.

Was mich sehr gefreut hat, war der Verlauf des Rennens. Unzählige Male habe ich mit einem Gefühl die Ziellinie überquert , nicht wirklich alles gegeben zu haben. Das war vorgestern anders. Vom ersten km an habe ich gespürt , daß das ein Ritt auf der Rasierklinge wird. Immer gerade noch so in einem Tempo , welches ich hoffentlich durchhalten würde. Bei km 17 am Potsdamer Platz war es dann allerdings vorbei. Der rechte Lungenflügel machte dicht , ein Durchatmen war nicht mehr möglich. 300 m weiter stand dann Jens, der meinen Namen rief und eine aufmunternde Geste machte. Da mußte ich unweigerlich an unser Intervalltraining im Mommsenstadion denken, getreu dem Trainerspruch beim finalen 2.000er : „Stell Dir vor , es sind die letzten 2k beim Halbmarathon, gib` nochmal Gas“. Und plötzlich ging es wieder – bis zum 20. km. Die Uhr zeigte mir dort eine Zeit von 1:24:26 an, und vor mir die „Berge“ der Leipziger Straße. An drei Italienern vorbei quer über die Strecke, die letzten 1,095 km in 4:30, um unter 1:29 ins Ziel zu kommen.

Was bleibt ? Ein erfüllter Lauftraum, zu dem ihr maßgeblich beigetragen habt, und die Suche nach einem neuen Ziel, was sich momentan für mich sehr schwierig darstellt. Zu erreichen gibt es jetzt nichts mehr, gedanklich hänge ich die Laufschuhe gerade an den Nagel, praktisch natürlich nicht, dazu macht es mir viel zuviel Spaß. Aber irgendetwas wird mir in den nächsten Tagen und Wochen schon einfallen... Bis bald Toby

P.S.: Einen Monat später verbesserte er in der Hitze in Hamburg auch seine Marathonbestzeit von 3:21:35h auf  3:17:56h.

bild

28.03.2010

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