Ein leichtes Runner's „High“chen war’s dann schon - Klemmbrett-Karraß half

Paul Nilges - jK Onliner seit dem 13.05.2009 - hat ein Ziel: 1 Jahr Vorbereitung einer neuen Bestzeit im Marathon. 2010 in Mainz soll es passieren. Endlich 3.45h rennen. Einen ersten Wettkampf konnte ich ihm aus den Rippen leihern, nach 15 Wochen Klemmbrett-Zeit, weil immer nur Training vorgeben ohne Lohn, das hat der jK Coach nicht gern. Aber lesen Sie selbst, vom 10km Lauf, vom Marathontraining und den Klemmbrett Insider Zeichen… Viel Spaß und Paul, vielen Dank!

Paul Nilges Turbo-RennerImmer nur einen Marathon im Jahr, nicht übertreiben, das habe ich meiner Frau versprochen. Meine Stärke ist Ausdauer. Aber der Akzent verschiebt sich langsam auf DAUER: Einmal habe ich’s unter 4:00h geschafft, einmal mit 4:00:24h knapp daneben. „Das ist ja, als ob Du einen Tag vor dem 100. Geburtstag stirbst“ meinte ein einfühlsamer Mensch. Sonst lief ich immer irgendwo zwischen 4:10h und 4:50h. Ich liege damit am Ende des mittleren Drittels und nähere mich langsam dem hinteren Drittel der Finisher. Und als ich 10 Meter hinter dem Zieleinlauf gestoppt werden musste mit den Worten: „Du kannst jetzt aufhören zu laufen, wir sind da“, will ich alles über 3:45 nicht mehr haben. Die letzten 10 Kilometer bestehen aus Quälerei, Schmerzen, Übelkeit und Schlimmerem, Blackouts und Krämpfen im rechten Oberschenkel, weit weg von Genuss oder gar „High“. Durchgekommen bin ich immer, auch zu einem kurzen Jubel beim Zieleinlauf hatte ich noch Kraft genug und die Woche danach ging‘s mir gut. Klar: Auch das Training macht Spaß, ich bin fitter als mit 30, kann essen was ich will ohne zuzunehmen und mein Lauftreff mit Arbeitskolleginnen, die langen Läufe an warmen Sommertagen, das lohnt sich – 364 gute Tage. Aber dieser Marathon nervt mich zunehmend. Und die verschiedenen Trainingspläne, sie brachten mich alle nicht wirklich weiter. Bei den regelmäßigen medizinischen Leistungstests in der Uni kamen immer tolle Marathonendzeiten raus – theoretisch. Also: Klemmbrett-Karraß hilf!

Und das tat er seit Mai 2009. Seit dem letzten Mainz-Marathon arbeite ich mit jK-Wochenplänen. Intervalltraining, Grundlagenausdauer, der ganze Krempel den man kennt – aber diesmal sehr konkret auf meine Ausgangssituation und Zeitplanung zugeschnitten. Die vorgeschlagenen Zeiten habe ich erstmal für überzogen gehalten. Wenn’s extrem gut und ich am Limit lief, hatte ich früher einen 5er Schnitt – aber maximal über 10 km. Inzwischen bin ich im Trainingsplan einmal bei flotten 4:30 angekommen, 6x1km, mit jeweils 3 Minuten Pause dazwischen. Die JK-Gemeinde kennt die Zahlen. Sonst eher 5:15, wenn ich durchlaufe. Aber statt rot bis braun (sehr anstrengend) kann ich immer häufiger grün (ging locker) angeben.

Bingen,30.8.2009, am Start des Stadtlaufs über 10 km.

Was mache ich hier? „Paul, wir brauchen Rennen!!!“ stand auf meinem Klemmbrett. Wir ?? Jawohl, Herr Chefarzt, dann melde ich mich halt an, trotz leichter Zweifel. Zehn Kilometer, was soll ich mit einer Sprint-Strecke? Ich bin 56 und habe eben den 10. Mainz-Marathon hinter mir. Als Ziel habe ich mir für diesen Stadtlauf 48:00 vorgenommen, obwohl es mir ein Rätsel ist, wie ich das Tempo ohne Pause nach jedem Kilometer schaffen soll.

Bescheiden stelle ich mich ins hintere Feld der 240 Läufer. Perfektes Wetter, Sonne und kühl. Eine kurze Steigung – passenderweise am Binger Krankenhaus. Es sind vier Runden mit genauen Kilometerangaben. Start um Punkt 12:00 Uhr. Die erste Runde gehe ich langsam an – und kann‘s erstmal nicht glauben, als ich mit exakt 11:15 durchkomme – und alles im grünen Bereich ist. Auch die zweite Runde schaffe ich mit einer guten Zwischenzeit. Ich freue mich während der 3. Runde schon auf die Schaschlikbude, die auf halber Strecke liegt und so lecker duftet. Zu Beginn der 4. Runde – noch immer eine theoretische Endzeit von 45 als erste Zahl vorn, wird’s mir mulmig. Der alte Fußballerspruch „90% Kopfsache, der Rest ist mental“ fällt mir ein und ich gebe nochmal richtig Gas. Bei KM 9 erwischt mich ein Ziehen im Oberschenkel, ich gehe mit dem Tempo runter und werde mit exakt 46:00 im Ziel gescannt.

Das hat mich doch sehr verblüfft: Abzüglich der 20 Meter beim Start bin ich bei etwa 45:57 gelandet, deutlich schneller als erwartet und über 2 Minuten schneller als in meinen bisher 10 Läuferjahren. Ein leichtes „High“chen war’s dann schon. 4. meiner Altersklasse! Der 11. Gutenberg-Marathon 2010 kann jetzt kommen, das kriegen „wir“ schon hin.

Und meine Frage an den Experten: Wie ist es möglich, eine Strecke mit dem Tempo durchzulaufen, das ich sonst nur auf einen Kilometer schaffe, mit Pause wohlgemerkt? Und eine Zusatzfrage: Was bedeutet das für die voraussichtlichen Endzeiten im Marathon?

bild

03.02.2010

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