Melanie und Wolfgang berichten
Lieber Jens,
nun möchte ich Dir unbedingt einmal ein dickes Dankeschön für die letzten Monate schicken!!!!
Im Frühjahr konnte ich 3 Monate lang verletzungsbedingt entweder gar nicht oder nur ganz wenig Laufen. Mit viel Geduld und mit ganz kleinen Schritten hast Du mich danach wieder hinbekommen. Meist ging es zwei Schritte vor und einen zurück. Seit Juli konnte ich dann endlich wieder komplett schmerzfrei trainieren. In den letzten Wochen hatte ich zwar im Training gemerkt, dass meine Form immer besser wurde, aber meine beiden Wettkämpfe der letzten 2 Wochen haben meine kühnsten Erwartungen übertroffen.
Zuerst stand ein Halbmarathon auf dem Plan. Mein Wunsch war, evtl. an meine alte Bestzeit von 1:50:30 h heran zulaufen. Als ich dann „ im Vorbeilaufen“ meine 5 km-Bestzeit unterboten habe, wurde mir kurz schon etwas mulmig. Aber ich fühlte mich gut und bin einfach in dem Tempo weiter gelaufen. Auf den letzen 3 km, mit recht dollem Gegenwind, musste ich mich zwar etwas strecken, aber im Ziel blieb meine Zeit bei 1:45:45 h stehen. Fast 5 Min. unter meiner alten Bestzeit! Und das nach dem ganzen Auf und Ab in diesem Jahr! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
Und eine Woche später folgte beim 10 km-Kö-Lauf in Düsseldorf der nächste Paukenschlag. Meine alte Bestzeit lag bei 48:36 Min. Diese habe ich um über 2 Minuten auf 46:28 Min verbessert!!!! Ich kann es gar nicht glauben!
Also nochmals: Vielen Dank für die Geduld und die Motivation in den letzten Monaten. Ich hatte zwar gehofft, dass ich wieder an meine alten Zeiten aus dem letzten Jahr heran komme, aber dass ich jetzt sogar so schnell bin wie nie zuvor ist einfach unglaublich! Das macht riesigen Spass!
Lieber Jens, liebe Chefredaktion,
Nach Island fährt man zum Wandern, zum Radfahren in totaler Isolation (ewiger Gegenwind garantiert !) oder aber zum Kneipen. Im August gehen die Temperaturen tagsüber im August schon mal auf 14 Grad hoch, ab sann flaniert der Isländer in T-Shirt und kurzen Hosen. Wer auch mental bereit ist, bei 4, 5 Grad Nachttemperatur zu zelten, innerhalb einer Stunde alle möglichen Wetterarten von Sonne bis Schneefall zu haben, wer auf Bäume verzichtet und sich mit Lava, Eis und Gras begnügt, der ist hier richtig.
Am Ende eines solchen Zelturlaubs hatte ich mich kurzfristig und garantiert ohne gezielte Vorbereitung für den Halbmarathon in Reykjavik am 22.8. angemeldet. Nur zur Vermeidung einer Erkältung griff ich auf ein altes isländisches Hausrezept zurück: fermentierter, luftgetrockneter Grönlandhai, (es hat geklappt, der zweite Teil des Hausrezepts, Ablöschen mit lokalem Wodka, war nicht notwendig...). Am Wettkampftag bewundert man dann die polare Gelassenheit der Organisatoren: eine Dreiviertelstunde vor dem Start beginnt man mit dem Aufstellen der Absperrungen, als Umkleide und Depot dient ein Klassenzimmer des altehrwürdigen Gymnasiums, eine blaue Linie ist nicht, auf dem Boden stehende Holzschilder tuns auch, für afrikanische Läufer und Hasen hat man kein Geld, und Wärmefolien nach dem Lauf sind etwas für Weicheier. Die starten übrigens direkt aus der Schule oder den Cafés der Umgebung heraus, da es keine Startblöcke gibt, Musik war Queen und nicht Björk. Der Lauf ist dann sehr pittoresk, am zentralen Teich entlang, nach 1 km hat man Platz, die Strecke ist weitgehend eben, nur ab km 5 läuft man die Nordküste am Meer entlang, Panoramablick Richtung Fjorde und Wale, und da blies bis km 15 der heftige Gegenwind, immer wieder satte Regenschauer, normal. Nach Durchqueren des Freihafens mit den Containern und Ladekränen (Geruchserinnerungen an den Haifisch kamen hoch) geht es dann zurück entlang der krisengeschüttelten Finanzmeile zum Ziel, direkt zu Füßen des hiesigen Kanzleramts. Ich wollte nur einen 5:30 Schnitt laufen, doch mit Wind und Regen wurde mir so kalt, daß ich aufs Tempo drückte und bei 15 bei einem Schnitt von 5:08 angekommen war. Dann war mir warm, doch sanft sackte ich ein, so daß es keine neue BL wurde, ich aber immer noch unter 1:53 blieb. Unvergeßlich bleiben die klare Luft, der waagrecht anfliegende Regen, der fischige Abschnitt zwischen Containern und Ladekränen im Freihafen so wie die entspannte Coolness der Organisatoren. Nur zu empfehlen !
Herzliche Grüße vom Wolfgang aus Paris
11.09.2009
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