Der Körper ist willig, doch der Geist ist schwach... noch ...
Wo liegt Deine persönliche Angebermarke? Wo beginnt der Triumph vor der gesamten Laufgruppe, den Kollegen, dem welt-weit-web? Ab welcher Zeit kannst Du Dich a)noch blicken lassen, b) Normalität verkünden oder c) alle mit gekonnt heruntergespielter Miene auf Jahre hinaus demütigen?
Du würdest ja gerne sagen können, dass Du nicht an so was denkst, aber leider: es ist so. Und das macht diesen Donnerstag vor dem Marathon zur Qual. Der Dienstag war schon übel – aber heute dauert jede Stunde hier im Büro schon mindestens acht. Die Zeit steht still und Du kommst immer nur bis zur imaginären Halbmarathonzeit, dann kapituliert Dein Gehirn. Muss schließlich auch noch was arbeiten. „Aber halt, bei welcher Zeit wird meinem lieben Kollegen nächsten Montag das Käsestullchen aus der Hand fallen?“ Diese Bestzeitenkenner, Wetterdienstfachleute sind um uns alle herum. Gut getarnt hinter netten Mienen sitzen die selbigen die treten. Die kennen wahrscheinlich sogar schon unsere Laufzeit vom Sonntag. Diese Theoretiker.
Jetzt mal Pause. Verschieben wir das mentale Marathonspiel mal auf heute Abend. Damit das klappt jetzt in paar Gedanken zum Stärke holen. Wie lange hast Du jetzt für diesen super-harten Marathon trainiert? Aha. Na also. Was ist denn ganz ehrlich, nur zwischen uns Marathonläufer-Freunden, Dein Traum für Sonntag? Ist es gutes Wetter? Schmerzfreier Marathon. Und Bestzeit? Pass’ auf, das alles zusammen gibt es nicht! Ein Marathon ist nichts schweres, denn wie kann es sein, dass Du wochenlang mit 20km-Läufen, manchmal sogar morgens vor dem Job, die Hälfte einer „unmenschlichen Distanz“ einfach so weggelaufen bist? Noch dazu weit schneller als Du es für Deine Zielzeit benötigt? Ich hoffe sehr, dass Du das getan hast. Denn 4.00h laufen bedeutet 5.40’/km üben und nicht 6.30’. Upps, Schreck in den Gliedern? Doch noch den grippalen Infekt als Notausstieg wählen? Wenn Du am Sonntag etwas machen willst, was Du nicht vorbereitet hast, dann tu’ das. Es wird sonst zu 100 Prozent schief gehen. Aber hey, DER Schreck rauscht an uns vorbei. Wir sind fit!!!
Der Marathon ist 42km lang und 14 ist davon schon mal ein Drittel. Wie oft hast Du ohne essen, fast ohne atmen, zumindest ohne zu bremsen die 14km locker im Training durchgezogen? Na siehste. Und was ist das? Ein Drittel einer „Wahnsinnsübung, eines M A R A T H O N S?“. Verlieren wir den Respekt bitte nicht, aber lasst vor Angst nicht Eure Kraft im Asphalt versinken. Wer das Tempo des kleinen 42km-Rennens oft und gut trainiert hat, der wird den Schmerz, denn der kommt, wer was anderes sagt, der flunkert, mit einer Haltung annehmen, die nur zum Erfolg führen kann. Mit Rhythmus, mit Hingabe, mit dem Wissen, das jeder Kilometer mit seinen Minuten und Sekunden eine kleine Geschichte der letzten Monate ist. Jede Einheit mit dem Coach, der Gruppe, dem Online-Trainer kannst Du im Geiste vor Dir vorbeiziehen lassen. Schon jetzt kannst Du damit beginnen, merkst Du wie es flutscht? So wird es sein am Sonntag.
„Hapschieeeeeeeee!“ Boah, jetzt hat doch dieser Theoretiker-Kollege wirklich volles Rohr genießt. Bloß weg hier, hier zieht es, hier können wir nicht sitzen bleiben, wär’ doch schon Sonntag. Und wie wird’s wohl sein, das Wetter?
25.09.2008
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