Die neue Leichtigkeit
Letzte Phase unseres 8-Wochen-Programms
guter Zeitpunkt für
eine Bilanz:
Wie
fühlt sich Leichterwerden an, was hat wirklich funktioniert? Und natürlich
ein Blick in die Zukunft: Wird jetzt das Leben besser?Nur noch ein paar Meter.
Durchhalten! Die Ziellinie ist schon in Sicht. Los, weiter! Nach sechs Wochen
mit Muskelkater von mehr Sport und teilweise ungewohnten Bewegungen, mit emotionalen
Berg- und Talfahrten, mit mehr Obst und weniger Junk-Food haben Laura, Anja
und Silke es fast geschafft. Der Bauch ist schon straffer, die Kleidergröße
eine Nummer kleiner, und außerdem ist da auch noch dieses gute Gefühl,
an etwas dran geblieben zu sein. Etwas an sich verändert zu haben, für
sich selbst gesorgt zu haben. Und natürlich die Vorfreude, im Sommer mehr
Kleider tragen zu können! Vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit zu erregen?
Endlich den Richtigen zu treffen?
Die Erwartungen sind groß. Uns reicht es ja nicht, nur eine Ziellinie zu überschreiten, bloß einen kleinen Etappensieg zu erringen. Wir wollen auf der anderen Seite der Linie bleiben, wollen von nun an auf dem Siegerpodest stehen, ganz oben, mit einer glänzenden Goldmedaille um den Hals. Denn wir sind uns sicher: Wenn wir erst einmal schlanker sind, dann wird alles anders. Besser natürlich. Das Leben flutscht wieder so leicht wie die Jeans, die uns dann endlich in der richtigen Größe passt. Wir surfen auf einer Welle der Euphorie, der Zuversicht, strotzen vor Selbstbewusstsein.
Doch auch der schönste Wellenritt endet irgendwann. Nach der ersten Diät-Euphorie, den vielen Jas, die wir auf die Frage Hast du abgenommen? geben konnten, bleibt ja, was? Probleme im Job oder Einsamkeit lassen sich nicht wegdiäten. Irgendwann kriechen die Selbstzweifel wieder hoch, wir sitzen allein in der Küche, und der Kühlschrank versucht, uns rumzukriegen. Wir wackeln. Besser gesagt, unser neues Ich wackelt. Es ist ja noch so jung, so zart. Es braucht eben einfach jede Menge Unterstützung.
Und Zeit. Der Prozess des Abnehmens, der Umstellung unserer Ernährungs-
und Lebensgewohnheiten dauert. Und diese Zeit müssen wir uns geben. Katharina
Titzck, Ernährungsberaterin bei der AOK Hamburg, erklärt: Das
ist so, als würden wir lernen, rückwärts zu laufen. Ihre
Kollegin Petra Fricke ergänzt: Unsere Psyche braucht lange, bis sie
dieses neu erlernte Verhalten wirklich angenommen hat und nicht wieder in den
alten Trott zurückfällt. Psychologen sprechen von bis zu zwei
Jahren und länger, bis das Neue das Alte ersetzt hat. Wir brauchen also
einen langen Atem. Müssen dran bleiben. Auch nach Rückfällen,
Ausrutschern und kleinen Sünden. Und auch wenn wir die Ziellinie überquert
haben, dürfen wir uns nicht einfach fallen lassen.
Das geht nur, wenn wir liebevoll mit uns selbst sind. Wir dürfen
uns nicht verurteilen, wenn wir mal schwach werden oder aussetzen, fordert
Maria Chica-Sanchez. Sie ist Psychologische Beraterin in Hamburg und leitet
zusammen mit ihrer Kollegin Bettina Rau die Frauengruppe Sehnsucht und
Hunger. Ihr Rat: Wir müssen uns da abholen, wo wir sind.
Müssen akzeptieren können, dass wir keine Maschinen sind,
sondern gute und schlechte Tage haben. So können wir am Tag nach einem
Rückschlag neu anfangen, können uns wieder aufraffen, ohne uns fertig
zu machen.
Denn wo Hochstimmung ist, da ist auch fast immer ein tiefes Loch, in das wir fallen können. Und in das viele auch fallen. Abnehmen, dünn sein hat gerade für Frauen eine überhöhte, aufgeladene Bedeutung: Wir gehen davon aus, dass schlanke Menschen glücklicher, erfolgreicher, attraktiver sind. Ein Irrtum. Viele dünne Frauen sind glücklich und viele sind unglücklich. Dünn sein heißt ganz einfach nur dünn sein. Nicht mehr und nicht weniger. Nur die Kilos verschwinden. Nicht mehr. Der Rest von uns bleibt. Die Sorgen, die Sehnsüchte, die Schwierigkeiten. Wie Bruce Springsteen es gesungen hat: Everybodys got a hungry heart. Unser Herz bleibt hungrig. Und gegen das hungrige Herz hilft nun einmal keine Diät der Welt.
Im Gegenteil: Durch eine Diät kommen bei vielen Frauen verdrängte
Emotionen hoch, so Maria Chica-Sanchez. Unser Polster schwindet.
Mit dieser Schicht aus Schokoladentafeln und Pommes frites geht automatisch
auch die sprichwörtlich dicke Haut. Und lässt uns seelisch dünnhäutiger,
durchlässiger zurück. Themen melden sich, die wir bisher beiseite
geschoben haben.
Laura hat gelernt, wie sie in hektischen Situationen die Fassung behält,
und fühlt sich heute unbeschwerter. Anja merkt, wie nicht nur ihre Problemzonen
kleiner werden, sondern auch der Stress, sobald sie aufs Laufband steigt. Und
Silke ist sich immerhin darüber klar geworden, wie wichtig ihr eine gute
Figur ist, was sie dafür tun würde und was nicht, wo ihre Prioritäten
liegen. Alle drei haben vor allem auch ihre Weiblichkeit entdeckt. Die eine
möchte nun öfter mal ein Kleid tragen, die andere sucht noch intensiver
nach einem zuverlässigen Lebenspartner.
Wenn der Schutzpanzer knackt, kann das eine Befreiung sein, kann aber auch weh tun, uns verletzbarer machen. Wer aufmerksam auf solche Signale eingeht, der kann so nach und nach seine Seele durchforsten, so die Psychologische Beraterin Maria Chica-Sanchez. Nach Themen, die bisher brach gelegen haben. Das ist eine ungeheure Herausforderung. Eine große Chance, sich neu zu definieren. Gewicht zu verlieren und dabei ein besseres Bewusstsein für sich und seinen Körper zu gewinnen.
